Mit dem gewaltsamen Eindringen in Venezuela und der Festsetzung von Präsident Maduro zu Beginn des Jahres, der unmittelbar darauffolgenden Drohung einer notfalls gewaltsamen Annexion Grönlands sowie der Eskalation zu einem unberechenbaren Flächenbrand in der gesamten Golfregion stellte US-Präsident Donald Trump im ersten Quartal nicht nur die Geopolitik, sondern auch die bis dahin auf eine Aufhellung zusteuernde Weltwirtschaft auf eine harte Probe. Rasch ansteigende Energiepreise, Renditeaufschläge bei Staatsanleihen und die Sorge vor einem stagflationären Umfeld setzten die Kapitalmärkte ab Ende Februar zunehmend unter Druck.
Im Gegensatz zum US-Aktienmarkt, der durch erneute Zollunsicherheiten und Mittelabflüsse aus KI-nahen Technologietiteln belastet wurde, profitierten die europäischen Aktienmärkte in den ersten beiden Monaten zunächst von der Zuversicht einer sich aufhellenden Konjunktur. Dieser Vorsprung schmolz im Zuge der zunehmenden Risikoaversion bis Ende Februar jedoch wieder dahin. Spätestens seit Beginn des Iran-Kriegs suchten Investoren vermehrt Zuflucht in defensiven Schwergewichten, was sich strukturell zulasten der Gleichgewichtung im Portfolio auswirkte.
Im Rahmen der zuletzt Mitte April erfolgten Umschichtungen wurden insbesondere Positionen in wachstumsstarken Titeln mit hoher Abhängigkeit von günstigen Finanzierungskonditionen und ambitionierten Gewinnerwartungen wie Ypsomed, Straumann und Temenos abgebaut. Gleichzeitig wurde mit Ems-Chemie, Stadler Rail und Burkhalter vermehrt in qualitativ solide Schweizer Industrie- und Infrastrukturwerte mit robusten Geschäftsmodellen investiert. Insgesamt erhält das Portfolio damit einen stärkeren Fokus auf werthaltige und ertragsstarke Unternehmen.
Mit der jüngsten Entwicklung eines Waffenstillstands und der Sondierung weiterer Verhandlungen zwischen den USA und Iran haben sich die Aktienbörsen etwas beruhigt. Dennoch bleibt die Lage im Nahen Osten angespannt, ebenso die Unsicherheit über das Ausmass der konjunkturellen Belastung und den weiteren Erholungspfad. Sollten die Energiepreise gegenüber dem Vorkriegsniveau erhöht bleiben, hätte dies negative Implikationen für die Inflations- und Zinserwartungen und würde eine wirtschaftliche Erholung vorerst auf Eis legen. Beruhigt sich die Lage in der Golfregion hingegen, und werden Öl- und Gaslieferungen durch die Strasse von Hormus wieder dauerhaft möglich, dürften sich die Erwartungen an den Börsen in einer stabileren, möglicherweise bald von einer nachhaltigeren Erholung geprägten Entwicklung niederschlagen. Gleichzeitig werden die Unternehmensausblicke im Rahmen der laufenden Berichtssaison einen wichtigen Stimmungstest liefern.
«Nicht das Timing des Marktes zählt, sondern die Zeit im Markt.» Die jüngste Erholung nach den März-Verlusten widerspiegelt diese alte Börsenweisheit eindrücklich. Denn statistisch gesehen liegen die grössten Aufwärtstage häufig in unmittelbarer Nähe zu Stressphasen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen weiterhin Beharrlichkeit und einen erfreulichen Frühling – an den Märkten ebenso wie in der Natur.
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